Tine Marquard Lizenzierte Leiterin & Ausbilderin für Walking-in-your-shoes Familienaufstellerin Heilpraktikerin (Psychotherapie) Rückführungstherapeutin
Tine MarquardLizenzierte Leiterin & Ausbilderinfür Walking-in-your-shoesFamilienaufstellerinHeilpraktikerin (Psychotherapie)Rückführungstherapeutin 

Tier-Walk: Das traumatisierte Kutschpferd – bleibt nur der Gang zum Schlachter?

Bei diesem Walk konnten die Klienten selbst nicht selbst anwesend sein, da sie sehr weit entfernt wohnen. Sonja und Steffen sind Turnier-Fahrer und haben seit 6 Monaten einen sechsjährigen Wallach, Romke, den sie eigentlich für den Fahr-Turniersport ausbilden wollten. Romke war laut Vorbesitzer bereits eingefahren und ein ganz lieber Kerl. Bei der Arbeit mit ihm kam es jedoch von Anfang an zu Problemen: Bereits bei den Vorübungen mit der Reifenschleppe schien Romke oft unruhig, vor der Kutsche war er häufig sehr verunsichert, manchmal war er sehr verspannt und ängstlich, war sogar ein paar Mal kurz vor dem Durchgehen. Vom Vorbesitzer waren zu der Situation keine weiteren Informationen zu bekommen. Sonja und Steffen lag der Wallach sehr am Herzen und sie wollten ihn auch nicht einfach an den Vorbesitzer zurückgeben. Sie sind beide gute Fahrer und haben sich entschieden, zusätzlich Hilfe von einem Profi-Trainer-Team für Fahren und Reiten zu holen.

Der Fahr-Trainer arbeitete mit Romke in aller Ruhe und längere Zeit „vom Boden“, also ohne Kutsche, und dann nach einigen Wochen auch wieder vor der Kutsche. Romke arbeitete einerseits sehr gut und willig mit. Dennoch berichtete der Fahr-Trainer, dass eine deutliche Spannung da gewesen sei, wenn Romke die Schleppe ziehen oder vor der Kutsche gehen sollte. Er habe den Eindruck, dass Romke sich manchmal nur mühsam beherrschte. Es kam mehrfach zu Situationen, in denen es großer Erfahrung bedurfte, das Pferd zu beruhigen und bei der Aufgabe zu halten. Aus Einschätzung des Fahr-Trainers versuchte Romke sein Bestes, aber es war schwer für ihn, seine Angst zu kontrollieren. Parallel zur Fahrausbildung wurde Romke vom Reitausbilder des Teams unter dem Sattel angewöhnt. Auch dieser Ausbilder ließ ihm ausreichend Zeit. Ging auf ihn ein und nahm nur, was Romke von sich aus anbot. Das Reiten schien Romke gut zu gefallen, es verlief soweit reibungslos. Die Trainer waren sich einig: dieses Pferd benötigt eine erfahrene Hand. Der Fahr-Trainer stellte deutlich in Frage ob der Turnierfahrsport das Richtige für Romke sei, er würde eher eine Reitpferdkarriere empfehlen.

Dann gab es zwei Ereignisse in Folge: Erst trat Romke auf der Weide einen von hinten zu nahe gekommen Hund, sodass dieser stark verletzt wurde. Einige Wochen später brachen die Pferde aus der Weide aus, sie standen auf einer nahegelegenen Wiese und grasten dort. Ein Freund der Besitzer näherte sich - in der Aufregung vielleicht ein wenig unsachgemäß - von hinten dem Wallach an, worauf dieser austrat und dem Bekannten eine schwere Knieverletzung zufügte.

Sonja und Steffen konnten das alles nicht verstehen. Im Umgang ist Romke ein herzenslieber, anhänglicher, verschmuster Wallach. Sie fragen sich, wie es weitergehen soll. Würde Romke sich noch an die Kutsche gewöhnen? Was führte zu den Spannungen vor der Kutsche?
Die Überlegung war: wenn er nicht vor der Kutsche einsetzbar wäre, könnten sie ihn nicht beschäftigen, da sie selbst keine Reiter sind. Dann müsste er einen neuen Besitzer bekommen. Sie hängen aber so an Romke. Und: könnte er überhaupt verkauft werden, nach den beiden Vorfällen, oder wäre die Gefahr zu groß, dass so was wieder passiert? Sie erwägen im Moment sogar, Romke zum Schlachter zu bringen, einfach um ihn selbst und seine Umwelt vor weiteren negativen Erfahrungen und Gefahrensituationen zu bewahren. Wäre es eine Alternative, ihn nur zuhause auf eine Wiese zu stellen, und gar nicht zu arbeiten? Und dann vielleicht später nochmal vor der Kutsche zu probieren? Sie sind sehr ratlos, es fühlt sich an wie in einer Sackgasse. Was wäre für Romke und für alle Beteiligten das Beste? Was wäre die richtige Entscheidung?

Obwohl es bei dem Anliegen eigentlich auch um Entscheidungen geht, habe ich das Gefühl, es wäre gut, wenn wir Romke besser verstehen könnten. Wir einigen uns, dass wir zunächst Romke walken, um mehr Informationen zu bekommen. Sonja schickt mir noch ein Bild von ihm auf der Weide. Darauf sieht er sehr jung und freundlich aufgeschlossen aus. Weiche Augen, sanfter Blick. Da ich nun sehr viele Informationen bekommen habe, und für Sonja und Steffen sichergestellt sein soll, dass niemand beeinflusst ist, bitte ich eine erfahrene Walkerin um Unterstützung. Sie weiß nicht, um was es geht, nur dass Romke ein Wallach ist. Sie hat nur das Bild von Romke auf der Weide gesehen.

Der Walk geht los. Die Walkerin ist jetzt Romke. Romke geht einige Kreise im Raum. Schaut sich unsicher um. Bleibt stehen und schaut auf einen Bereich hinten im Raum. Dann berichtet er, dass er irgendwie in diesen Bereich des Raumes gezogen werde. Ich frage nach, warum er denn nicht hingeht, wenn es ihn hinzieht. Er berichtet: „ Ich möchte da nicht hin. Aber etwas zieht mich dahin. So wie von außen. Es ist wie eine Kraft.“ In dem Bereich steht eine Vase. Die fixiert er mit dem Blick. Ich befrage ihn zu seiner Befindlichkeit. Er sagt, er könne gar nichts anderes wahr nehmen, nur den einen Bereich des Raumes, besonders die Vase. Er könne auch nirgendwo anders hingehen im Moment, oder hinschauen, weil er dort hinschauen müsse. Er bekäme Atemnot, Enge in der Brust, und Starre im Körper. Er könne nicht gehen. Ich frage ihn, was er, oder die Starre, braucht um weitergehen zu können. Er zeigt auf die Vase und sagt: „Das da muss weg. Diese Kraft.“ Ich frage ihn noch, was passieren würde, wenn er trotz Starre versuchen würde dahinzugehen, zu der Kraft. Er sagt, dann wäre er nicht mehr hier in dem Raum. Das fühle sich für ihn nicht stimmig an. Er wolle in diesem Raum bleiben. Die Vase müsse weg.

Ich nehme probeweise die Vase (die vielleicht die“ Idee des Schlachtens“ darstellt?) aus dem Raum und stelle sie vor die Tür. Romke atmet deutlich auf und geht sofort weiter seine Kreise, wobei er den Raum, in dem die Vase stand, mit einbeziehen kann, er berichtet dazu, das sei jetzt neutraler Raum geworden. Er kann jetzt gehen und orientiert sich neu. Jetzt bilden sich für ihn imaginär drei Bereiche im Raum auf dem Boden. Ein Teppich im Seminarraum bildet ein Bereich und dann noch zwei Bereiche davor. Alle ungefähr gleich groß. Romke stellt sich erst einmal auf den Teppich. Dort könne er entspannen und es sei ruhig. Er schlendert ein wenig herum. Nach einer Zeit frage ich ihn, ob er die anderen Bereiche betreten könnte. Er probiert es. Der eine Bereich geht gut zu betreten. Der andere macht ihm Angst.

Er geht wieder zurück auf den Bereich mit dem Teppich. Ich bitte ihn probeweise nochmal in den Angstbereich zu gehen und sich genau einzufühlen. Es kostet ihn Überwindung. Er tut es auf mein Bitten hin doch. Er geht ein wenig und fühlt sich ein. Dann berichtet er, da käme was von hinten-unten, was Kleines, Hartes, das sei bedrohlich, es sei laut und das mache ihm große Angst. Er habe den Impuls loszurennen. Ich frage nach, was passieren würde, wenn er losrennen würde, wie er will? Er probiert es aus und berichtet: Dann verfolge ihn „das“ und es würde schlimmer und schlimmer. „Es“ käme immer hinter ihm her… Er erlebt Körperreaktionen wie Atemnot, Schweiß, Beklemmung in der Brust, Herzrasen… alle Anzeichen einer Panikattacke. Ich bitte ihn wieder auf das Feld mit dem Teppich zu gehen. Dort entspannt er wieder. Die Anzeichen lassen nach. Ich denke mir, dass hier möglicherweise das dargestellt wurde, was bei Romke eine traumatische Erfahrung ausgelöst hat. Es könnte möglicherweise Eine-Schleppe-ziehen oder Kutsche-fahren sein. Es könnte aber auch ein Hund sein. Obwohl der nicht unbedingt hart ist? Ich frage nach, ob das was ihn verfolgt hat, eher an ihm dranhängt oder ihn eher verfolgt? Er fühlt sich nochmal ein und sagt: „Ich glaube es ist an mir fest. Ist auch nicht loszukriegen mit Rennen.“ Ich frage ihn noch, ob er sich vorstellen kann, dort, in den Angstbereich wieder hinzugehen. Jetzt oder später? Er ist sich unsicher. Vielleicht. Vielleicht später. In 5 Jahren oder so? Aber es wäre unsicher.

Er entspannt noch eine ganze Weile auf dem Teppich, welchen er als Ruhebereich in der Natur beschreibt. Ich frage nach, ob es ihm so gut gehe und er sonst nichts brauche. Also ob er einfach da bleiben könnte. Doch da erkennt er: "Nein, das geht nicht. Dann fehlt mir was." Ich lade ihn ein versuchsweise in das dritte Feld zu gehen. Er geht energievoll dort herum und schaut sich um. Er lässt uns teilhaben, an dem, was in ihm passiert: „Ich fühle mich neugierig. Das ist interessant. Hier gibt es was zu entdecken. Hier gibt es Spaß. Meine Energie ist hoch. Auf eine gute Art hoch. Hier kann ich was machen. Was Schönes.“ Ich frage nach, ob er eine Idee hat, wo er ist, was er tut? Er berichtet: „Ich bin mit anderen zusammen. Auch mit Pferden. Aber ich bin beschäftigt. Ich fühle Bewegungsdrang - der freudig ist. Ich habe auch das Gefühl, ich teile das mit jemand.“ Ich frage nach, ob es sein könnte, dass er dort geritten oder sonst irgendwie gearbeitet wird. Er fühlt sich genau ein und berichtet dann: „Ja – auch geritten. Und draußen in der Natur. Schnell. Galopp, glaube ich (er bewegt sich im Dreitakt). Und mit Wasser, das spritzt mir unter den Bauch. Ich bin ein Team mit dem, der bei mir ist. Ja – ich glaube, der ist auf mir. Ich kenn das Gefühl noch nicht ganz so gut. Bin noch ein bisschen wackelig. Aber ich glaube, so wird das dann. Und mein Reiter ist erfahren und hat Mut und Freude und macht tolle Sachen mit mir. Ich fühle Freude. Und Sicherheit von oben. Das brauche ich. Jemanden, der sicher ist und Erfahrung hat. Und auch feinfühlig. Also das, das wäre richtig gut. Und interessante Sachen…verschiedene Sachen will ich machen…“

Dann geht er wieder in das Ruhe-Feld. Dort berichtet er: „Und das brauche ich auch. Ich brauch beides. Das Arbeiten und das hier, das Ruhen. Beides zu haben, das ist die richtige Mischung.“ Er geht mehrfach hin und her zwischen den Felder und fühlt die beiden Körperzustände. Ruhen – Arbeiten – Ruhen – Arbeiten. So ist es stimmig für ihn. Auf mein Nachfragen, ob es noch was zu berichten gebe aus dem Walk sagt er, alles Wichtige sei gesagt. Wir beenden den Walk damit.

Sonja und Steffen können nach meinem telefonischen Bericht beim Nachgespräch sehr viel für sich erkennen. Sie verstehen den Walk so: Sie haben das Gefühl, solange der Gedanke an den Schlachter (die Vase) im Raum steht, kann sich gar nichts entwickeln. Und als dieser Gedanke „weg“ ist, kann Romke seine Bedürfnisse wahrnehmen. Eine Weide zum Entspannen und einen erfahrenen Reiter, der ihm Sicherheit gibt und tolle interessante Sachen mit ihm macht. Und eher nicht vor der Kutsche…die beiden sind zunächst sehr traurig, weil das bedeutet, dass sie ihn wohl abgeben müssen, da sie selbst nur ganz wenig reiten und der Turnierfahrsport ihr Metier ist.


Wie ist es weitergegangen?

Zwar mit schwerem Herzen, aber im Hinblick auf Romkes Bedürfnisse erscheint es ihnen das Beste, Romke an eine erfahrene Reiterin abzugeben. Sie hören sich um und finden bald jemand, der interessiert ist. Die neue Besitzerin wird über alle vorherigen Ereignisse und über den Walk informiert, kann also entsprechend auf Romke eingehen. Sie ist eine erfahrene, aufgeschlossene Freizeitreiterin aus der näheren Gegend und sucht ein Pferd, um das sie sich kümmern kann und mit dem sie einfach Spaß erleben will. Sie hat ausreichend Zeit, um auf Romkes Bedürfnisse einzugehen und reitet gerne in der Natur.

Neben der Reitausbildung macht sie auch Gelassenheitsübungen und Zirkuslektionen mit ihm, woran er viel Freude und Interesse zeigt. Er ist kein ganz einfaches Pferd, aber er wird zunehmend selbstsicherer und damit auch entspannter. Die neue Besitzerin und Romke sind ein gutes Team geworden. Sonja und Steffen sind sehr froh, dass sie einen passenden Platz für ihn gefunden haben.

 

Anmerkung von mir zum Thema Tod und Tiere:

Es gibt ganz unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema: Manche vertreten den Standpunkt, dass es Tieren egal ist, ob sie hier im Leben oder „dort“ auf der Seite des Todes sind. Manche sind überzeugt, Tiere wollen so lange wie möglich am Leben bleiben…
Wie auch immer: in diesem Fall schien es mir, dass Romke eine klare Idee hatte wo er (noch?) nicht hin wollte. Und was gut für ihn sein könnte. Für die Besitzer war das so auch stimmig.

 

Fotos auf dieser Seite
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Holzfiguren und Porträt:
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WIYS-Logo: Chrstian Assel

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Tine Marquard - Walking-in-your-shoes WIYS 23.10.2017