Tine Marquard Lizenzierte Leiterin & Ausbilderin für Walking-in-your-shoes Familienaufstellerin Heilpraktikerin (Psychotherapie) Rückführungstherapeutin
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Nähe-Distanz-Konflikte in der Beziehung – ein leidvolles Thema

 

Eine Mutter kommt mir ihrer 18-jährigen Tochter zu einem Walking-in-your-shoes-Workshop.

 

Die Tochter Sandra hat ein Anliegen. Sie habe einen 19 –jährigen Freund, mit dem sie seit ca. neun Monaten zusammen sei. Es komme immer wieder zu Unstimmigkeiten, was der Freund und sie sehr bedauern. Sie haben schon viel darüber gesprochen, gleichsam fänden sie einfach keine Lösung. Sie hätten sogar schon überlegt, sich zu trennen. Es fühle sich so an, als ob sich beide sich nicht ganz einlassen können, obwohl sie es gerne wollen. Beide wünschen sich mehr Nähe, und es schmerze sie beide oft sehr, dass dies offensichtlich nicht möglich sei. Sie könne das nicht so genau beschreiben. Sie leide sehr darunter und sie möchte sich selbst und auch ihren Freund besser verstehen.

Wir beschließen, einen Doppelwalk zu machen. Sandra und ihr Freund.

Sie geht ihre Rolle selbst, für ihren Freund sucht sie eine Frau aus der Gruppe aus.
(in folgenden nenne ich diese Walkerin der Einfachheit halber „den Freund“)

Wir teilen den Raum in zwei Bereiche und stellen eine imaginäre Wand dazwischen, deren Konsistenz wir nicht näher beschreiben.

Beide gehen in ihrem Bereich des Doppelwalks herum. Beide halten circa zwei Meter Abstand von der imaginären Wand des Doppelwalks. Sandra berichtet: „Ich kann da nicht näher ran. Ich kann nur hier hinten gehen." Sie weint ein wenig und sagt, sie fühle sich überfordert. Sie würde den Freund dort wahrnehmen, aber sie könnte nicht näher ran. Und es fühle sich für sie so an, als ob er so viel von ihr möchte, was sie gar nicht geben könne. Die Runden, die sie dreht, liegen mehr und mehr im hinteren Bereich des Raumes.

Ich befrage jetzt den Freund nach seiner Befindlichkeit. Er könne auch nur Runden im hinteren Bereich gehen, nicht an die Grenze zu Sandras Bereich rangehen. Er berichtet: „ Wenn ich höre dass sie weint, macht mich das betroffen. Dann will ich einerseits hin, anderseits weiter weg. Ich fühl mich nicht stark genug. Ich habe ein Engegefühl in der Brust. Ich fühle mich schwach, ganz weich im Körper."

Sandra wird langsamer, bleibt stehen. An der hinteren Grenze. Sie kippt fast nach hinten. Ich frage nach ihrer Befindlichkeit. Sie beschreibt: "Ich bin ganz schwach jetzt. Es zieht mich deutlich nach hinten weg. Als ob ich gleich umkippe. Da ist was hinter mir, das zieht mich so doll". Ich vermute eine systemische Verstrickung.

Ich frage die Mutter, die dem Walk zuschaut, was sie wahrnimmt. Sie berichtet, Sandra sei ihre Tochter aus erster Ehe, und sie sei wieder verheiratet. Der leibliche Vater von Sandra sei systemisch sehr belastet und auch lange krank gewesen. Er könne sich nicht gut auf Nähe einlassen, und das sei mit ein Grund gewesen, warum es damals zur Trennung gekommen sei. Während sie das berichtet, reagiert Sandra mit dem Gefühl von noch deutlicherem Zug nach hinten. Auf Wunsch der Mutter nehme ich ausnahmsweise ein Element der systemischen Aufstellungsarbeit mit in den Walk. Wir stellen die Mutter selbst und einen Stellvertreter für den leiblichen Vater hinter Sandra.
Sandra wird erst stabiler, es kommt viel Kraft und Stabilität von der Mutterseite. Dann berichtet sie wieder von einem starken unangenehmen Gefühl aus Richtung des Vaters. Wir machen ein kurzes Rückgaberitual zum Vater, was die Tochter sehr stabilisiert. Das Gefühl sei jetzt weniger geworden. Der Stellvertreter des Vaters sagt, ihm gehe es besser nach dem Rückgabe-Ritual. Aber noch lange nicht gut. Er fühle sich sehr belastet. Ihm fehle deutlich Kraft von hinten.
Ich bespreche mit der Mutter, dass hier die Grenze ist. Hier muss entweder der Vater selbst weiterarbeiten oder sie könnte das, mit seiner Erlaubnis, nochmal in einer Aufstellungsgruppe für die gemeinsame Tochter aufstellen. Das möchte sie klären.
Wir entlassen die Stellvertreterin des Vaters und die Mutter aus den Rollen. Sie setzen sich wieder.

Sandra hat dem Gespräch zugehört und reagiert darauf: "Jetzt kann ich schon mal nach vorne losgehen. Wenn ich weiß, die kümmern sich darum." Sie geht jetzt neugierig an die Grenze und schaut zu dem Freund. Der Freund berichtet, dass er jetzt auch näherkommen könne, sich aber noch schwach fühle. Es fehle ihm Kraft. Größe. Stärke. Ich bitte ihn, sich diese Kraft und Stärke zu imaginieren. Er berichtet: "Ich stelle mir die Kraft hinter mir vor. Meine Schultern werden dann breiter, ich habe mehr Muskeln. Ich wachse. Meine Füße bekommen irgendwie Wurzeln, das fühlt sich kraftvoll an."
Wir heben die imaginäre Mauer auf und die beiden gehen freundlich aufeinander zu, gehen gemeinsam ein wenig herum und setzen sich dann entspannt gemeinsam hin, dicht nebeneinander sitzen sie da eine Weile.

Auf meine Frage, was sich noch zeigen möchte, antworten beide: "Nichts, so ist es gut."

Wir lassen sie noch einen Moment genießen…

Dann beenden wir den Walk. Und entlassen alle aus ihren Rollen.

 

Die Tochter ist sehr froh nach dem Walk. Sie erzählt noch, dass ihr Freund tatsächlich sehr viel Sport und Muskeltraining mache. Sie habe im Walk gesehen, dass bei ihnen beiden was gefehlt hat. Und das es bei ihr wahrscheinlich etwas Übernommenes vom Vater gewesen sei. Sie wünsche sich, das die Mutter das noch in einer Aufstellung klärt. Zu wissen, das sich da jemand kümmert habe ihr sofort ein viel freieres Gefühl gegeben.
Bei ihrem Freund habe sie gesehen, dass es ihm sehr leid tut, dass er das mit dem Weinen nicht so gut aushalten kann. Sie berichtet, so wäre es in der Beziehung bisher gewesen: Sie unterdrücke das Weinen, weil er es nicht aushalten kann, dann hilflos würde. Jetzt habe sie da ein tieferes Verständnis. Seine Betroffenheit im Walk habe sie sehr berührt. Es fühle sich irgendwie sehr befreiend an. Sie fühle sich ihm so nah, wie nie zuvor und freue sich schon, ihn wieder zu sehen.

Die Mutter will sich um das Anliegen mit dem leiblichen Vater von Sandra kümmern. Sie denkt, der Vater wird wohl nicht selbst aufstellen wollen, aber er wird die Erlaubnis geben, dass sie es für die Tochter tut.

Das Thema des Freundes, dass ihm"„Muskelkraft" fehle, könnte aus der Sicht der Mutter einfach ein Entwicklungsschritt des Mannwerdens oder auch systemisch Thema sein. Aber das sei nur eine Interpretation. Und das müsste er selbst für sich erarbeiten.

Wie ist es weitergegangen?

Die Mutter hat, mit Zustimmung des leiblichen Vaters, das Anliegen kurzfristig in einer Aufstellungsgruppe bearbeitet.
Sandra berichtet mir bei einem Treffen einige Monate später, dass die Beziehung zu Ihrem Freund viel tiefer und offener und ehrlicher geworden sei. Sie lacht: „ Klar - in dem Alter denke man noch nicht an für immer – aber es ist schön geworden mit der neuen Nähe“.

Die Mutter berichtet ebenfalls, dass im Umgang mit Sandra mehr Nähe entstanden sei und dass sie tiefer und inniger reden können.

 

 

 

 

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Tine Marquard - Walking-in-your-shoes WIYS 23.10.2017