Tine Marquard Lizenzierte Leiterin & Ausbilderin für Walking-in-your-shoes Familienaufstellerin Heilpraktikerin (Psychotherapie) Rückführungstherapeutin
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Hinbewegung zu den Eltern

Als Hintergrund für Süchte, Beziehungsprobleme, Ängste, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und anderen Befindlichkeiten zeigt sich in den Familienaufstellungen häufig ein Zusammenhang mit der Beziehung zu den Eltern.

 

Die Liebe der Kinder zu ihren Eltern existiert von Geburt an. Sie ist unausweichlich. Dennoch kommt es in den Familien  oft zu einer schwierigen Beziehung zur Mutter  oder zum Vater.  Die tiefe seelische Hinbewegung der Liebe zu einem oder beiden Elternteilen ist dann in ihrem natürlichen Fluss unterbrochen. Alle weiteren Bemühungen des Kindes um die Liebe seiner Eltern führen zu Ersatzhandlungen und beeinträchtigen das weitere Leben.

 

Trennungen in der frühen Kindheit, Krankenhausaufenthalte, Unfälle, ein Geburtstrauma und andere frühkindliche Traumata können dazu führen, dass die Kinderseele sich zurückzieht und sich nicht mehr vertrauensvoll den Eltern, insbesondere der Mutter, zuwendet. Doch es sind nicht immer selbst erlebte schwierige Situationen, die zu solch einem inneren Rückzug führen. Auch Traumata und Verluste anderer Familienmitglieder können dazu führen, dass sich ein Kind schon von klein an nicht vertrauensvoll den Eltern zuwenden kann.

 

Ist das Kind auf der Seelenebene mit einem zeitig verstorbenen Familienmitglied verbunden, dann trauert das Kind unbewusst von klein auf. Kommt ein Kind beispielsweise als allein geborener Zwilling auf die Welt oder hat ein Geschwisterkind durch eine Fehlgeburt oder Abtreibung der Mutter verloren,  richtet sich seine Seele und seine Liebe auf das verlorene Geschwisterchen aus – nicht auf die Mutter bzw. den Vater. Auf einer ganz unbewussten tiefen Ebene trauert es von Beginn an. Der Weg zum Herzen eines oder beider Elternteile ist dann oft unterbrochen.

Kinder tragen die Schicksale ihrer Familie mit, das erfahren wir immer wieder in den Aufstellungen. Wenn beispielsweise ein Kind tot geboren wurde oder als Säugling beziehungsweise als Kleinkind verstorben ist, kann sich das auf ein später geborenes Kind stark auswirken. Es braucht noch nicht einmal davon zu wissen und kann trotzdem diesen Tod spüren und hat ein Schuldgefühl dafür, dass es selbst leben darf. Dieses Schuldgefühl, dass das Kind nicht zuordnen kann, belastet dann sein weiteres Leben und das Miteinander in der Familie. Das Kind lebt in dem Gefühl, nicht dazuzugehören und seinen Platz nicht zu finden.

Oft geschieht es, dass ein Elternteil das  Kind bestens versorgt, doch unbewusst mit dem Herzen woanders ist. Ein Kind kann dies spüren - es erreicht mit seiner Liebe den Elternteil nicht - und zieht sich traurig und verunsichert zurück. In dem Kind entsteht das Gefühl, nicht wichtig zu sein oder nicht gesehen zu werden. Es fühlt sich alleine gelassen, nicht anerkannt und nicht geliebt.

Was ist z.B. geschehen, wenn eine Mutter im Herzen nicht auf ihr Kind schauen kann? Wohin schaut sie? Es kann sein, dass sie auf die unerfüllte Liebe zur eigenen Mutter schaut. Es können aber auch traumatisches Erlebnisse der Mutter, wie beispielsweise der Verlust eines lieben Menschen, Kriegserlebnisse, Flucht, Gewalt oder andere traumatische Erfahrungen sein. In vielen Familien sind Kriegstraumatisierungen nie verarbeitet und somit als „seelisches Erbe“ weitergegeben worden. Dann leben unbewussten Beziehungsdynamiken weiter.

In unserer Aufstellungsarbeit erleben wir es sehr häufig, dass der Weg gerade zur Mutter sehr schwierig ist und dass eine unterbrochene Hinbewegung zwischen Mutter und Kind das ganze Leben beeinflusst. Fehlt einem Kind die elterliche Bezugsperson, fehlt ihm damit auch das Gefühl der Zugehörigkeit zur Familie. Auch als erwachsener Mensch  fühlt es sich noch einsam und sucht deshalb unbewusst nach Situationen im Leben, die ihn hoffen lassen, das Gefühl der Trennung heilen zu können. Und der Weg zur Mutter ist weit. Doch die Aufstellungsarbeit zeigt auch, dass er letztendlich  ans Ziel führen kann.

Ein schwierige Kindheit und Schicksalsschläge in der Familie können zu Problemen in der Partnerschaft, in der Familie, im Beruf, zu ständiger Suche, unbestimmter Trauer oder Krankheit führen. Sie mindern die Lebenskraft und schränken in den Handlungsmöglichkeiten ein.

Familienaufstellungen bringen die Dynamiken ans Licht, die unsichtbar hinter diesen Problemen wirken und machen sie sichtbar.

Die dadurch gewonnene innere Freiheit ermöglicht es, in einem neuen Miteinander neu auf das eigene Leben zu schauen.

 

 

Fotos auf dieser Seite
Walker-Boots und Walkerbilder: Meike Klein

Holzfiguren und Porträt:
Vivien Venzke

WIYS-Logo: Chrstian Assel

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Tine Marquard - Walking-in-your-shoes WIYS 23.10.2017